Das Oberbergamt im 20. Jahrhundert   
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts stellte sich abermals heraus, dass die Räume des Oberbergamts für die wachsende Geschäftstätigkeit gänzlich unzureichend waren, obgleich schon die Markscheiderei in ein Mietshaus in der Nachbarschaft verlegt worden war. Die Mittel zu einem Neubau wurden zunächst wegen der angespannten Finanzlage des Staates zurückgestellt, aber endlich 1908 in den Etat eingesetzt. Die Stadt Dortmund stellte im Tausch gegen das alte Gebäude ein geeignetes Grundstück zur Verfügung, das an der Goebenstraße gelegen und von zwei anderen Straßen, der Prinz-Friedrich-Karl-Straße und der Kronprinzenstraße, begrenzt ist. Mit dem Bau wurde 1908 begonnen. Er wurde im Oktober 1910 fertiggestellt.

  Das Landesoberbergamt NRW nach einem alten Stich

Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) brachte für das Oberbergamt aufgrund des Kriegsdienstes einschneidende personelle Beschränkungen. Auch die nachfolgende Besatzungszeit beeinträchtigte erheblich den Arbeitsablauf des Oberbergamts in Dortmund. Bis nach Beendigung des Krieges lag der Schwerpunkt der bergpolizeilichen Aufsicht über den Bergbau bei den Oberbergämtern und den Revier-Bergbeamten.

Im Laufe der Zeit waren verschiedene Ministerien für das Bergwesen zuständig, seit dem Jahre 1890 das Ministerium für Handel und Gewerbe. Dort bestanden zeitweilig Kommissionen für die Bearbeitung bestimmter Fragen der Unfallverhütung. Am 1. März 1921 wurde ein besonderes Grubensicherheitsamt gegründet und der Bergbauabteilung des Ministeriums angegliedert. Es hatte die Aufgabe, allgemeine bergpolizeiliche und damit zusammenhängende Angelegenheiten des Unfallwesens sowie sicherheitlich-technische Fragen von allgemeiner Bedeutung mit Sammlung und Auswertung der in den einzelnen Oberbergamtsbezirken gewonnenen Erfahrungen zu bearbeiten. Außerdem wurde für das Gebiet des Preußischen Staates eine Grubensicherheitskommission gebildet, die eine beratende Stellung für das Grubensicherheitsamt einnahm. Ihr waren mehrere Fachausschüsse angegliedert: ein Sprengstoffausschuss, eine Seilfahrtskommission, ein Ausschuss für Schlagwetter- und Kohlenstaubfragen und beim Oberbergamt Dortmund ein Ausschuss für das Gesteinsstaubverfahren. Der Grubensicherheitskommission gehörten Vertreter der Oberbergämter, der Revier-Bergbeamten, der Bergwerksbesitzer, der Arbeitnehmer und Mitglieder des Preußischen Landtags an. Sie sollte besonders bei der Aufklärung größerer Unfälle mitwirken und zu allen wichtigen technischen Maßnahmen der Unfallverhütung Stellung nehmen.

Dem Oberbergamt war schon im Mai 1921 ein »Beirat« aus dem Kreise der Arbeitnehmer als Vermittlerstelle zwischen der Behörde und der Arbeiterschaft beigegeben. Seit dem Jahre 1926 wurden auch für einzelne Bergreviere »Grubenkontrolleure« mit der gleichen Aufgabe eingestellt.

Durch Verordnung vom 24. Oktober 1933 wurden die Steinkohlenbergwerke in Ibbenbüren und in Minden aus der Zuständigkeit des Oberbergamts Dortmund in die Zuständigkeit des Oberbergamts Clausthal-Zellerfeld verlagert, während der linksrheinische Steinkohlenbergbau aus dem Bereich des Oberbergamts Bonn der Aufsicht des Dortmund unterstellt wurde. Mit dem Gesetz über den Aufbau der Reichsbergbehörden vom 30. September 1942 wurden auch für den Bezirk des Oberbergamts in Dortmund wieder die Bergämter an Stelle der Revier-Bergbeamten eingeführt.

Im Zweiten Weltkrieg verloren viele Mitarbeiter des Oberbergamts in Dortmund ihr Leben. Das Gebäude wurde durch Luftangriffe stark beschädigt. Durch Verordnung der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 wurde das Land Nordrhein-Westfalen aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinzen und aus der preußischen Provinz Westfalen gebildet. Im folgenden Jahr wurde ihm das frühere Land Lippe-Detmold angegliedert. Der Bezirk des Oberbergamts in Dortmund umfasste innerhalb von Nordrhein-Westfalen die Provinz Westfalen mit Ausnahme der südlichen Teile, den zum Ruhrgebiet gehörenden Teil der Rheinprovinz sowie Teile, die seit 1942 zum Oberbergamtsbezirk Clausthal-Zellerfeld gehörten.  Nachgeordnet waren dem Oberbergamt Dortmund zu diesem Zeitpunkt 21 in den Städten Essen (4), Dortmund (2), Recklinghausen (2), Bochum (2), Hamm, Lünen, Witten, Castrop-Rauxel, Herne, Gelsenkirchen, Buer, Bottrop, Dinslaken, Duisburg und Moers.

Das Oberbergamt in Dortmund blieb bis in die 60er Jahre kollegial organisiert. Erst durch das Gesetz über die Organisation der Landesverwaltung vom 10. Juli 1962 löste der Gesetzgeber das Kollegialprinzip durch das Präsidialprinzip ab.

Am 1. Januar 1970 wurden die Oberbergämter in Bonn und in Dortmund zum Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Dortmund zusammengelegt. Dem Dienstgebäude in der Goebenstraße wurde in den 80er Jahren durch umfangreiche bauliche Maßnahmen wieder sein historisches Gepräge gegeben. Seitdem erhebt sich der für ältere Generationen vertraute Uhrenturm wieder über das Wohnviertel der Oststadt von Dortmund.

Mit Inkrafttreten des »Bundesberggesetzes« (BBergG) vom 13. August 1980 erhielt die Bergverwaltung eine neue, nunmehr bundeseinheitliche gesetzliche Grundlage. Geblieben ist das Inspektionsprinzip. Geblieben ist auch die Kompetenz des Landesoberbergamts zum Erlass von Bergverordnungen, wenn auch in bestimmten Bereichen diese Kompetenz dem Bundesminister für Wirtschaft übertragen worden ist. Mit dem »Bundesberggesetz« wurde das Prinzip des »Allgemeinen Berggesetzes für die Preußischen Staaten« übernommen, wonach der wichtige, in ständiger Weiterentwicklung befindliche Bereich der Grubensicherheit und des Arbeitsschutzes nicht nur durch das Gesetz selbst, sondern wesentlich auch durch Rechtsverordnungen abgedeckt wird. Damit kann neuen Entwicklungen schneller Rechnung getragen werden. Die Verordnungskompetenz der Länder ist daran gebunden, dass für gleichartige Verhältnisse der Schutz der in den Verordnungen zu berücksichtigenden Belange in allen Ländern gleichwertig sichergestellt ist. Aus diesem Grund werden die Landesbergverordnungen nicht nur vom Landesoberbergamt NRW allein, sondern zusammen mit anderen Bundesländern erarbeitet. Der Länderausschuß Bergbau hat damit den Arbeitskreis Bergbehördliche Verordnungen beauftragt. Den Vorsitz in diesem Arbeitskreis führt der Präsident des Landesoberbergamts NRW.

Die Erarbeitung neuer Bergverordnungen gestaltet sich zum Teil schwierig, weil den unterschiedlichen Verhältnissen im Bergbau der einzelnen Bundesländer Rechnung getragen werden muss. Hinzu kommt der mit Blick auf den gemeinsamen Binnenmarkt immer stärker werdende Einfluss des Europarechts auf die nationale Gesetz- und Verordnungsgebung. Im Bereich des Vorschriftenwesens kommt daher der Mitarbeit in supranationalen Gremien, etwa bei der Erarbeitung von technischen Normen, zunehmend größere Bedeutung zu.

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Verwaltungsstrukturreform des Landes NRW